Frank Weingarten
Zur Diversifizierung des Fremdsprachenunterrichts

Das im vergangenen Jahr entwickelte Konzept des Kultusministeriums für eine diversifizierte Sprachenfolge an sächsischen Gymnasien und die damit angestrebte weitgefächerte Möglichkeit der Sprachenwahl hat an so manchen Schulen für reichlich Diskussionsstoff gesorgt.
Hat das Fach Englisch an den Schulen in Deutschland nicht um sein Überleben zu kämpfen, stehen - glaubt man so manchen Kolleginnen und Kollegen - die anderen Sprachenfächer, in Sachsen vor allem Russisch und Französisch, vor einem quantitativen Niedergang.
Und tatsächlich sieht auch der FMF die gefährdete Position beider Sprachen, nicht nur an Sachsens Schulen. Russisch – in den westlichen Bundesländern eher als eine exotische Sprache gesehen – hat seine dominierende Stellung zugunsten des Englischen verloren. Und das Französische – nach dem 2. Weltkrieg als europäische Kultursprache angetreten – verliert in Sachsen quantitativ schon wieder, ehe es auch nur eine annähernde Bedeutung in der Sprachenlandschaft an den Schulen erhielt, wie es zumindest bis in die 70 Jahre in der alten Bundesrepublik zu verzeichnen war.
Nun können wir alle diese Entwicklungen bedauern und beklagen. Wir wissen jedoch, dass zunächst einmal der Elternwille entscheidet, und die Eltern entscheiden sich (zu) oft für eine vermeintlich sichere Lösung: Englisch. Eine zweite Fremdsprache wird an Gymnasien meist nur bis Klasse 10 erlernt und anschließend abgewählt. An den Mittelschulen spielt das sprachliche Profil wie auch an den Gymnasien eine untergeordnete Rolle.

Diesem Prozess entgegenzuwirken war wohl ein wichtiger Grund für die beabsichtigte Festschreibung der Sprachenfolge an sächsischen Gymnasien. Sichert diese doch möglicherweise eine kontinuierliche, gleichberechtigte Entfaltung unterschiedlicher Sprachenangebote und eine Entwicklung stabiler fremdsprachlicher Traditionen mit verlässlichen personellen Kapazitäten.

Der FMF bewertet diese Bemühungen des SMK daher auch grundlegend positiv; zumal sie sich mit den in unserem Positionspapier von 1999 formulierten Forderungen decken:

„Seitens des Kultusministeriums sind konzeptionelle Aussagen zur Fremdsprachenpolitik, bzw. der Fremdsprachenentwicklung in Sachsen zu treffen, die weit über das Jahr 2000 hinaus reichen.
Zur Zeit gibt es keine klaren Aussagen seitens des SMK für eine mittel- und langfristige Konzeption zur Entwicklung des Fremdsprachenangebots. Kurzfristige Lösungen, regional zufällige und historisch bedingte Gegebenheiten sind derzeit Grundlage für das konkrete Angebot verschiedener Fremdsprachen an den einzelnen Gymnasien in Sachsen.
Langfristige Konzepte müssen zur Schaffung und Besetzung neuer Stellen für Fremdsprachenlehrer und zu einer besseren Koordinierung deren Einsatzes im Schulnetz führen.
Ziel sollte es sein, den Schülern entweder an der eigenen oder an einer erreichbaren anderen Schule ein möglichst breites Angebot von zu erlernenden Fremdsprachen zu unterbreiten.“
(Mitteilungsheft des FMF, LV Sachsen 1/99, S.16)

Kritisch sieht der FMF jedoch die Vorgehensweise des SMK. Eine breitere Diskussion mit den Schulen und auch den Sprachenverbänden zur Vorbereitung der Fremdsprachenplanungen hätten so manchen Unmut im Vorfeld ausräumen können. Eine Konzeption, die sich vor allem auf ein Zahlenwerk stützt, ist eben in manchem konkreten Fall nicht hinreichend begründet. Und wer, wenn nicht die an den Schulen tätigen Kolleginnen und Kollegen kennen die Entwicklungen und Gegebenheiten ihrer Schule!